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Berichte zu unserer JHV

 

 

JHV 2017 Bericht

 
 
 
Bericht zur Jahreshauptversammlung (JHV)  
mit angeschlossener Tagung der
Fachgesellschaft andere Sukkulenten (FGaS)
vom 06. bis 08. Oktober 2017 in Burgstädt
Gruppenbild der Hauptakteure der Veranstaltung (von links): Jörg Ettelt, RobNagel,
Hans Jörg Voigt, Andrew Young, Eberhard Seiler, Urs Eggli, Hagen Dreher
 
Der letzte Bericht zur JHV 2016 behauptete, dass drei ausländische Vortragende ungewöhnlich wären; dann war die Versammlung 2017 wiederum außergewöhnlich! Urs Eggli aus der Schweiz, Andrew Young aus Großbritannien und Rob Nagel aus Südafrika waren die Redner, jeder ein Experte auf seinem Fachgebiet. Doch berichten wir in der Reihenfolge des Geschehens.
   Am Freitag reisten die ersten Mitglieder und Gäste wie gewöhnlich schon an. Viele von ihnen kommen ja recht früh, um hinsichtlich der angebotenen Pflanzen nichts zu verpassen. Und tatsächlich füllte sich der Verkaufsraum gleich neben dem Vortragssaal recht früh. Allerdings fehlten diesmal zwei wesentliche Anbieter (Silberhochzeit und Elternfreuden), was sich in einem nicht ganz gefüllten Verkaufsraum bemerkbar machte. Das Angebot war dennoch wieder reichhaltig und umfassend. Da noch dazu diesmal recht viel Reklame für unsere Verkaufsbörse auch in den lokalen Zeitungen gemacht wurde, kamen zahlreiche Gäste, sodass der Pflanzenverkauf recht ordentlich verlief.
 
Hans Jörg Voigt, Versammlungsleiter, begrüßt die bereits am Freitag angereisten Mitglieder und Gäste zum ersten Vortrag.
Auf dem Bild ist nur ein kleiner Teil der Zuschauer zu sehen.
 
   Und es lockte der erste Vortrag von Rob Nagel über die Ascleps Simbabwes. Robs Vorträge zeichneten sich durch drei wesentliche Aspekte aus: Erstens trug er in seiner „dritten Muttersprache“ – Deutsch – vor, mitunter nach Worten suchend oder einfach ein englisches nutzend. Zweitens zeigte er Bilder von blühenden Ascleps am Standort, deren Blütenpracht kaum jemals so gesehen wurde. Drittens erzählte er mit einem Charme und Witz, der zu keiner Zeit Langeweile oder Ermüdung aufkommen ließ.
    Ein Bier oder Wein zum Abschluss und dazu unendliche Geschichten und Gespräche beendete diesen ersten Abend.
   Der zweite Tag startete mit einem sehr gut strukturierten und überaus lehrreichen Vortrag zur aktuellen Gliederung der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) vom ausgewiesenen Experten Urs Eggli. Schon der Umstand, dass Urs von Zürich nach Burgstädt gekommen ist, zeigt, dass er unsere Gesellschaft als geeigneten Partner ansieht – und er resümierte am Ende die Veranstaltung als sehr gut gelungen in allen Belangen. Sein Vortrag brachte uns auf den neuesten Stand, verschwieg aber auch nicht die zahlreichen Probleme, denen sich ein Botaniker heute immer noch gegenüberstehen sieht, wenn es um die systematische Einordnung der zur Familie gehörenden Arten geht.
   Auf Urs folge der Beitrag von Andrew Young zu neueren Arten der Gattung Conophytum. Die Bilder, Panoramas und Filmsequenzen waren teilweise berauschend, die Schwierigkeit, diese Arten zu finden, wurde überdeutlich. Dass es Andrew und seinen Begleitern dennoch in den letzten Jahren gelungen ist, neue Pflanzen oder auch
lange verschollen geglaubte wiederzufinden, ist der mehr als akribischen, ja geradezu detektivischen Arbeit Andrews und seines Teams zu verdanken. Nur so konnte er innerhalb von lediglich 10 Jahren alle bekannten Taxa bis auf zwei aufspüren und fotografieren.
 
Ehrungen unserer beiden langjährig um die Entwicklung unserer Gesellschaft ver-dienten Mitglieder Wilfried Burwitz (2. von links) und Siegfried Janssen (2. von rechts)
 
    Nach der Mittagspause folge die Jahreshauptversammlung, die wie gewohnt zügig und problemlos verlief. Das Protokoll folgt. Wichtig an dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Verjüngung des Vorstandes weitergeht und zwei unserer langjährig verdienten Mitglieder aus ihren verantwortungsvollen Ämtern ausscheiden und dafür als Ehrenmitglieder geehrt wurden: Wilfried Burwitz und Siegfried Janssen. Danke für Eure umfangreiche wie zuverlässige Arbeit, die wesentlich mit dazu beigetragen hat, dass die Gesellschaft heute da steht, wo sie ist!
   Im Anschluss stellte Urs in einem Überblickvortrag das Leben von Konrad Gessner (1516–1565) vor. Man kann diesen Schweizer Universalgelehrten tatsächlich auch als Begründer der Pflanzengeografie und weiterer Fachgebiete ansehen. Der Vortrag, obwohl naturgegeben sehr historisch, verlor zu keiner Zeit den Bezug zu heute und die darin gezeigten Ziele, Triebkräfte und Wünsche können heute als Anhaltspunkt hilfreich sein, was in einer sich so stark verändernden Welt als wesentlich anzusehen ist. Danke für solch eine interessante Lehrstunde.
   Andrew kam ebenfalls nochmals zu Wort und erläuterte uns seine nächsten Ziele und Projekte. Mithilfe der bekannten Standortdaten von Conophytum sowie Klimadaten und Modellen der Klimaveränderungen Vorhersagen zu berechnen, welche Standorte in etlichen Jahren verloren gehen werden und in welchen Regionen ein Überleben der Arten noch möglich sein wird, ist schon genial. In Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden vor Ort Schutzkonzepte zu definieren, die das Überleben wenigstens jener Arten sicherstellen helfen, die zu gegebener Zeit noch eine Überlebenschance haben können, ist grandios! Hut ab vor solcher Arbeit, die sich nicht mit der aktuellen Situation zufriedengibt, sondern auch noch tatkräftig Überlebensstrategien entwickeln hilft.
 
 
Unser südafrikanischer Gast Rob Nagel wurde auch als der am weitesten gereister Anwesender von der Presse porträtiert
 
   Der Abend gehörte erneut Rob, der uns nach dem sehr guten Abendessen seine noch nicht öffentliche Webseite vorstellte, wobei er sich auf weniger bekannte Gattungen konzentrierte. Sein Beruf als Programmierer hilft ihm natürlich, eine jeden Anspruch gerecht werdende Seite aufzubauen, und viele der Gäste warten nun sehnsüchtig, dass Rob diese Seite öffentlich macht. Die Beispiele erneut teils fantastisch blühender Askleps (allein die Quaquas waren bestechend schön) fanden erneut großen Anklang.
Auch der Sonntagvormittag wurde vom Gast mit der weitesten Anreise bestritten, der uns auf eine Rundreise im Südlichen Afrika mitnahm und uns weitere Ascleps vorwiegend Südafrikas vorstellte. Diesmal war der Vortrag mit Bildern von Land und Leuten gewürzt und auch kurze Filme zeigten so manches Interessante: eine Giftschlange, die ins Gebüsch schlängelt und dort wie von Zauberhand verschwand – eine perfekt wie beängstigende Camouflage; oder auch ein Mundharmonika-Papageiengesang-Duett vom Feinsten.
   Alle Vortragenden wurden jeweils mit starkem und langanhaltenden Beifall belohnt, Fragen wurden beantwortet.
   In den wie gewohnt großzügig bemessenen Pausen wurden noch so manche individuellen Gespräche geführt und Fragen abgeklärt. Pflanzen wechselten die Besitzer und nützliche Informationen wurden getauscht.
   Eine positive Veränderung konnte ebenfalls konstatiert werden: Die Küche im Hotel war dieses Jahr deutlich verbessert und auch die Möglichkeit, alle Essen in Buffetform einzunehmen, sparte diesmal viel Zeit, was dem individuellen Gedanken- und Ideenaustausch zugutekam.
   Persönlich empfand ich die Veranstaltung als gelungen, die zahlreichen Teilnehmer, die sich bei mir persönlich für diese Veranstaltung bedankten, bestärken mein Empfinden. Urs, Rob und Andrew zogen dann jene Bilanz, die alle, die an der Planung, Vorbereitung und Realisierung beteiligt waren, glücklich machten: Die Vortragende waren sich einhellig einig, an diesem Wochenende zum Gelingen einer der besten Tagungen auf unserem Fachgebiet beigetragen zu haben. Beispielhaft die Zeilen von Rob, die er nach seinem Eintreffen in Südafrika an uns geschickt hat: „Vielen Dank für alles. Es war sagenhaft, die Organisation war tadellos, und ich habe viele netten Menschen getroffen. …Viele liebe Grüße an alle, die mitgemacht haben, und ihr könnt stolz sein auf eine tolle Jahresversammlung.
 
Jetzt wird es richtig schwer, 2018 zu planen! Dennoch, wir freuen uns schon darauf. Dann bis 2018!
Jörg Ettelt, Präsident
© 2008-2017 Fachgesellschaft andere Sukkulenten e.V.
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