Berichte unserer JHV

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Bericht zur Jahreshauptversammlung und Tagung der Fachgesellschaft andere Sukkulenten
vom 05. bis 07. Oktober 2018 in Burgstädt
 
Zum x-ten Mal tagten wir nun schon in Burgstädt, diesmal ohne Referenten aus Südafrika oder einem anderen entfernten Heimatland der anderen Sukkulenten. Mit diesen Bauchschmerzen ging der Vorstand in die diesjährige Veranstaltung.
Nun, um es vorwegzunehmen, diese Befürchtungen erwiesen sich als völlig unbegründet. Erneut waren viele Mitglieder und Gäste anwesend, erneut war das Pflanzenangebot groß, erneut war die Zufriedenheit mit dem gebotenen Programm hoch. Doch ein wenig mehr im Einzelnen:
 
Den frühen Abend des Freitags nutze der Vorstand noch schnell, um letzte Entscheidungen und Abstimmungen zu treffen. Wiebe Bosma aus den Niederlanden startete in von ihm gewohnter Weise mit einer Bildershow, unterlegt mit Musik, um auf das von ihm diesmal ausführlich vorzustellende Land einzustimmen: Äthiopien. Sein erster Vortragsteil stellte die Sukkulenten des östlichen und westlichen Landes vor – nicht ohne auch auf Menschen, Kultur, Fauna und andere Flora einzugehen. Sein in gutem Deutsch vorgetragener Beitrag kam erneut sehr gut an und wurde mit großem Beifall bedacht. Das spät abendliche Fachsimpeln fand dann in einem gesonderten Raum statt, bei dem sich auch die zahlreich anwesenden Erstteilnehmer mit den anwesenden Personen vertraut machen konnten.
Der Samstag startete mit dem Eintreffen weiterer Teilnehmer, weiteren Pflanzen und der damit verbundenen Notwendigkeit, einen zweiten Raum zu öffnen, um alle angebotenen Pflanzen auch angemessen präsentieren zu können. Insgesamt waren über 30 laufende Meter Tische voll mit Pflanzen und Büchern im Angebot. Pünktlich 09:30 Uhr startete die Tagung mit einem interessanten wie sehr persönlich gestalteten Vortrag unserer Ehrenmitglieder Waltraut und Bernd Keller aus Leipzig, die ihre zahlreichen Reisen in die Kleine und Große Karoo in einer schönen Bilderserie zusammengestellt hatten. Nach kurzer Pause kam dann unser zweiter internationaler Referent erstmals zum Einsatz. Petr Pavelka stellte uns die Flora von Itremo und des Didiereaceae-Waldes im südlichen Madagaskar vor. Seine Fachkunde, seine gute Ortskenntnis nach mehreren Reisen sowie seine aufmerksame Art, auch örtliche Belange sowohl der Gesellschaft als auch der Ökologie einfließen zu lassen, machten den Vortrag höchst interessant. Da Petr in Englisch vortrug, wurden seine Ausführungen übersetzt.
Nach diesen beiden großartigen Beiträgen wurden die Anwesenden in die Mittagspause entlassen. Die restliche Zeit wurde zumeist genutzt, um weiter in den Angeboten zu stöbern und die eine oder andere Pflanze zu erwerben.
Pünktlich um 14 Uhr startete dann die obligatorische Jahreshauptversammlung, dieses Jahr mit turnusmäßiger Wahl zum Vorstand. Ein offizielles Protokoll zur JHV wird in der Avonia veröffentlicht, sodass hier nur wesentliche Inhalte erläutert werden sollen. Ehrungen erfolgten in gewohnter Art und Weise, der im Berichtszeitraum Verstorbenen wurde gedacht. Der Präsident führte an dieser Stelle noch einmal deutlich vor Augen, welch großes Verdienst der Anfang des Jahres verstorbene John Lavranos auch für unsere Gesellschaft hatte. Er war zwar nur einmal als Referent auf unserer JHV, aber im Hintergrund – und dies ist den meisten Mitgliedern gar nicht so deutlich geworden – wirkte er aktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft mit. Diese Unterstützung fand dadurch statt, dass er Autoren für unsere Zeitschrift ermunterte, für uns zu schreiben, aber genauso vermittelte er Referenten oder fragte selbst bei Experten nach, wenn die eine oder andere Fachfrage durch ihn selbst nicht beantwortet werden konnte. Glücklicherweise gab er sein Engagement für uns einem guten Freund als letzten Wunsch mit auf den Weg – so wird seine Unterstützung für uns über seinen Tod hinaus fortbestehen.
Der anschließende Bericht des Präsidenten zur Entwicklung der Gesellschaft wurde aufmerksam verfolgt, die ergänzenden Ausführung der IGs und Einrichtungen ebenfalls. Der Kassenbericht wurde angenommen. Nach Abschmelzen ehemals angesparter Mitgliedsgelder werden die jetzt verbleibenden Geldmittel der Gesellschaft als angemessene Reserve angesehen. Nach positivem Befund der Kassenprüfer konnte der Vorstand einstimmig entlastet werden.
Die Wahl des neuen Vorstandes wurde in bewährter Art und Weise von Bernd Keller geleitet. Sie wurde offen und für jeden vorgeschlagenen Kandidaten getrennt zügig durchgeführt. Alle Vorschläge wurden einstimmig angenommen.
Der neue Vorstand konnte somit seine Arbeit aufnehmen und schlug der Versammlung Datum und Ort der kommenden Jahreshauptversammlung vor. Nach Jahren der beinah verzweifelten Suche konnte man endlich fündig werden, ein alternatives Tagungslokal, sehr zentral in Deutschland, konnte gefunden werden. Die Versammlung folgte dem Vorschlag des Vorstandes, die nächste Jahreshauptversammlung und Jahrestagung in Borken (Hessen) durchzuführen. Termin wird vom 11. bis 13. Oktober 2019 sein. Das Programm zur Veranstaltung wird frühestens in Heft 1 unserer Avonia bekannt gegeben.
Als letzten zu klärenden Punkt musste die Mitgliederversammlung den Mitgliederbeitrag bestimmen. Aufgrund der beim Kassenbericht dargelegten Situation – und weil in dieser Gesellschaft seit über 10 Jahren kein Beitrag mehr angepasst worden ist – wurde der Versammlung eine Erhöhung des Inlandbeitrages um einen Euro pro Avonia-Heft auf jährlich 34 € vorgeschlagen, Auslandsmitglieder sollen 40 € statt aktuell 35 € zahlen. Dieser Punkt führte zu einer kurzen Diskussion. Mehrere der anwesenden Mitglieder machten spontan den Vorschlag, die Erhöhung direkt auf 35 €/Jahr zu beschließen. Nach weitgehender Zustimmung durch die anwesenden Mitglieder wurde dieser Antrag dann auch einstimmig angenommen.
Ein Wermutstropfen war dann die Mitteilung, dass der angekündigte Vortrag von Uwe Prokoph über Exkursionen in Süd-Marokko und der West-Sahara: Landschaften, Menschen, Tiere und Pflanzen aufgrund plötzlicher familiärer Probleme nicht gehalten werden kann. Unser Mitglied Hagen Dreher sprang kurzfristig ein und stellte uns Höhepunkte seiner Jagd speziell nach Arten der Gattung Anacampseros/Avonia im Süden Afrikas vor. Seine emotionale, mitreisende und abwechslungsreiche Vortragsweise ließen sofort vergessen, dass dieser Vortrag gar nicht geplant war, und er wurde ebenfalls mit herzlichem Beifalle bedacht.
Abendessen, Pflanzenschau, persönliche Gespräche füllten die Pause bis zum Abendvortrag, bei dem uns diesmal Wiebe Bosma in das Hochland von Äthiopien entführte. Erneut konnten faszinierende Landschaften, Menschen, Kulturen, Tiere und vor allem Pflanzen bewundert werden. Wiebe gelang es, alle mitzunehmen und die Faszination dieses so interessanten Landes zu vermitteln. Sein hohes Können, Fotos voller Ästhetik anzufertigen, kommt seinen Beiträgen ebenso wie seine große Kompetenz bei den Sukkulenten zugute. Der Abend wurde bei Bier, Wein und interessanten Gesprächen beendet.
Der Sonntag ist immer ein etwas eigener Tag unserer Veranstaltung. Man weiß nie so genau, wie viele Teilnehmer noch da sind, und man ist immer ein wenig von Wehmut getragen, weiß man doch, dass spätestens am Mittag alles vorbei sein wird. Der allgemeine Trend, dass immer mehr auch diesen letzten Tag noch nutzen möchten, setzte sich fort, zahlreiche Teilnehmer waren noch anwesend, um die letzten beiden Vorträge zu erleben, vielleicht auch, um letzte Pflanzen zu erwerben.
Urs Eggli eröffnete den Tag, er stellte uns die Zeit vor, in der Salm-Dycks Sukkulentenfaszination stattfand. Nach seinem Vortrag letzten Jahres war er damals ganz begeistert von der Veranstaltung und wollte auch dieses Jahr mit einem kürzeren Vortrag präsent sein. Ein Angebot, welches wir sehr gern annahmen und welches mit diesem Vortrag eingelöst wurde. Und die Teilnehmer waren sich einig, dass es Urs sehr gut gelungen war, sowohl die Bedingungen der Zeit, die Person Salm-Dyck als auch die spezielle gesellschaftspolitische Situation in Wort und Bild zu verdeutlichen. Den letzten Vortrag der Veranstaltung bestritt erneut Petr Pavelka zu den Arten der Gattung Commiphora und andere Sukkulenten Angolas. Schwerpunkt war der Süden Angolas. Was hier geboten wurde von einem Land, dessen Fauna in über 30 Jahren Bürgerkrieg weitgehend vertrieben wurde, wodurch die Pflanzen andererseits geringen Beweidungsdruck haben, war teilweise unglaublich. Derartig schöne, massige, zahlreiche Commiphora-Arten auf einer Stelle sind märchenhaft. Die unzähligen Welwitschia-Pflanzen sehr weit verbreitet über diese Region, die Petr als das Unkraut des südlichen Angola bezeichnete, stellten teilweise die landläufigen Vorstellungen von unseren Sukkulenten und den Begleitpflanzen auf den Kopf. Es handelte sich um einen absolut würdigen Beitrag zum Abschluss einer erneut großartigen Veranstaltung.
 
Herzliche Verabschiedungen und die klare Botschaft des Wiedersehens in einem Jahr beendeten die zweieinhalb Tage.
 
 
 
 
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